Konferenz
"Partner in der Prävention"
Vom 23.-bis
zum 24. März veranstaltete die luxemburgische EU-Präsidentschaft,
das Europäische Friedensbüro ("European Peacebuilding
Liaison Office", EPLO), die Madariaga-Stiftung und die Folke-Bernadotte-Akademie
von Schweden eine Konferenz, um die Fähigkeiten der EU, auf gewaltsame
Konflikte zu reagieren, zu verbessern, und um in einen Dialog mit
zivilgesellschaftlichen Organisationen, die auf diesem Gebiet arbeiten,
einzutreten. Die Konferenz mit dem Titel
"Partner in der Prävention: von der Theorie zur Praxis
- ziviles Krisenmanagement der EU und Entwicklungspolitik, nachhaltige
Vorgehensweisen zur Ausbildung und Beteiligung der Zivilgesellschaft"
verlief in der Nachfolge der Arbeit durch die irische und niederländische
Präsidentschaften für die Stärkung ziviler Möglichkeiten
im Krisenmanagement. Ziel der Konferenz war es, weitere Diskussionen
zu diesem Thema zu entfachen.
An der Konferenz nahmen über die zwei Tage
ca. 130 Teilnehmer teil, darunter Beamte der EU-Institutionen und
Repräsentanten zahlreicher zivilgesellschaftlicher Gruppen,
sowohl aus der EU als auch aus Ländern die Konflikten betroffen
sind. Unter den Vortragenden befand sich Javier Nino-Perez von der
Einheit für Konflikt-Prävention bei der Europäischen
Kommission und Gyorgi Tatar von der Einheit für Politik des
Rates der Europäischen Union.
Die wichtigsten Themen der Konferenz umfassten
• Verbessern der Zusammenarbeit zwischen
EU und der Zivilgesellschaft zur Unterstützung der Prävention
und Auflösung von Konflikten
• Wie nachhaltige Vorgehensweisen für
Ausbildung auf diesem Gebiet zu entwickeln sind
• Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen
EU und UN in der Konfliktprävention.
EPLO
wird in den nächsten Monaten einen vollständigen Bericht
über die Konferenz veröffentlichen, und QCEA wird einige
der Themen, die in der Konferenz behandelt wurden, in den folgenden
Ausgaben von Around Europe näher in Augenschein nehmen.
Robin
Bloomfield
Übersetzung: Helge Moog
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Inhaltsverzeichnis
Eine
Million europäische Friedensaktivisten können etwas ändern
In der
Friedensbewegung hat es eine Menge Diskussionen über den Vertrag
gegeben, mit dem eine Verfassung für Europa ins Leben gerufen
werden soll. Faßt man es zusammen, drehten sich diese Diskussionen
um die Frage, ob die Militarisierung der EU, welche in dem Verfassungsvertrag
eingebettet ist, Friedensaktivisten dazu führen sollte, in Referenden
gegen diesen zu stimmen. Dieser Artikel
behandelt diese Debatte nicht. Meiner Ansicht nach steht es außer
Frage, dass die Militarisierung eine negative Entwicklung in der
Europäischen Union darstellt. Besonders schädlich ist,
dass dieses in einen Verfassungsvertrag aufgenommen wurde, wo es
in Zukunft nur schwer wieder zu verändern sein wird.
Dieser Artikel behandelt eine andere Möglichkeit,
graduelle Änderungen in der europäischen Binnen- und Sicherheitspolitik
herbeizuführen, die die Friedensbewegung bedenken könnte.
Es wird nicht einfach werden, aber es könnte eine Möglichkeit
sein und ist sicherlich einen Versuch wert.
Artikel I-47(4) des Verfassungsvertrages lautet:
"Unionsbürgerinnen und Unionsbürger,
deren Anzahl mindestens eine Million betragen und bei denen es sich
um Staatsangehörige einer erheblichen Anzahl von Mitgliedstaaten
handeln muss, können die Initiative ergreifen und die Kommission
auffordern, im Rahmen ihrer Befugnisse geeignete Vorschläge
zu Themen zu unterbreiten, zu denen es nach Ansicht jener Bürgerinnen
und Bürger eines Rechtsakts der Union bedarf, um die Verfassung
umzusetzen. Die Bestimmungen über die Verfahren und Bedingungen,
die für eine solche Bürgerinitiative gelten, einschließlich
der Mindestzahl von Mitgliedstaaten, aus denen diese Bürgerinnen
und Bürger kommen müssen, werden durch Europäisches
Gesetz festgelegt."
In diesem Artikel gibt es einige Begriffe, die
das Entstehen einer solchen Bürgerinitiative unsicherer machen
als man hoffen könnte. Da gibt es zunächst den Begriff
der "Aufforderung"; bedeutet er, dass die Kommission,
einmal "aufgefordert", verpflichtet ist, zu handeln? Rechtlich
gesehen nicht. Politisch gesehen würde ich die Kommission das
gerne versuchen sehen! Vor allem, wenn die Friedensbewegung es schafft,
zeitgleich zu handeln und sehr bald, nachdem die Verfassung in Kraft
getreten ist. Die Kommission, und mit ihr die Europäische Union,
würde massiv an Glaubwürdigkeit verlieren, ignorierten
sie eine Eingabe von einer Million Bürgern.
Dann gibt es da den "Bedarf nach einem Rechtsakt…
um die Verfassung umzusetzen…". Dies ist nun ein Paradies
für einen Rechtsanwalt. Natürlich ist diese Wortwahl offen
für eine ganze Bandbreite von Interpretationen. Praktisch bedeutet
es aber schlicht und einfach: wenn die Friedensbewegung will, dass
die Kommission einen angemessenen Vorschlag unterbreitet, dann wird
sie begründen müssen, warum es für das Inkrafttreten
der Verfassung notwendig ist.
Was sagt die Verfassung also über die Ziele
der Europäischen Union, soweit es sich um Frieden dreht?
Erstens, die Präambel:
"IN DER ÜBERZEUGUNG, dass ein nach schmerzlichen
Erfahrungen nunmehr geeintes Europa auf dem Weg der Zivilisation,
des Fortschritts und des Wohlstands zum Wohl aller seiner Bewohner,
auch der Schwächsten und der Ärmsten, weiter voranschreiten
will, dass es ein Kontinent bleiben will, der offen ist für
Kultur, Wissen und sozialen Fortschritt, dass es Demokratie und
Transparenz als Grundlage seines öffentlichen Lebens stärken
und auf Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität in der Welt
hinwirken will,…"
Zweitens, die Ziele, wie sie in Artikel I-3 niedergelegt
sind:
"In ihren Beziehungen zur übrigen Welt
schützt und fördert die Union ihre Werte und Interessen.
Sie leistet einen Beitrag zu Frieden, Sicherheit, globaler nachhaltiger
Entwicklung, Solidarität und gegenseitiger Achtung unter den
Völkern, zu freiem und gerechtem Handel, zur Beseitigung der
Armut und zum Schutz der Menschenrechte, insbesondere der Rechte
des Kindes, sowie zur strikten Einhaltung und Weiterentwicklung
des Völkerrechts, insbesondere zur Wahrung der Grundsätze
der Charta der Vereinten Nationen." (Absatz 4)
Was könnte dies praktisch bedeuten? Nimmt
man als Beispiel, worauf sich QCEA in dieser Beziehung konzentriert
hat, so haben wir Lobby-Arbeit betrieben, anfangs für eine
europäische Friedensbehörde, und jüngst für
die Verstärkung der Fähigkeiten der Europäischen
Union für Konflikttransformation und Friedensschaffung.
Wir glauben, dass die Schaffung von Frieden durch
die Ziele der Verfassung abgedeckt wird. Wir glauben auch, dass
ein nachhaltiger Frieden nur mit zivilen Mitteln erreicht werden
kann. Ferner sind wir der Ansicht, dass die EU unverhältnismäßig
viel Aufwand und Ressourcen in ihre militärischen Fähigkeiten
und unverhältnismäßig wenig Aufwand und Ressourcen
in ihre zivilen Möglichkeiten steckt. Wir würden also
argumentieren, dass die EU, um ihre Ziele erfolgreich und nachhaltig
zu erreichen, sich dahingehend entwickeln muß, ihre zivilen
Möglichkeiten zu verstärken. Eine gute Möglichkeit,
dies zu tun, wäre die Einrichtung einer europäischen Friedensbehörde,
die sich darauf konzentrieren würde.
Daher könnte sicherlich argumentiert werden,
dass der Vorschlag, eine solche Behörde einzurichten, die in
Artikel I-47(4) genannten Voraussetzungen erfüllt.
Wir sagen nicht, dass dies einfach werden wird.
Wir sagen nicht, dass solch ein Vorgehen garantiert funktionieren
wird. Aber andererseits ist die Schaffung von Frieden noch nie wie
ein Spaziergang im Park gewesen!
So lasst uns also organisiert vorgehen. Laßt
uns nicht einmal auf die Ratifizierung der Verfassung warten. Laßt
uns das tun, was die Mitgliedsstaaten in Bezug auf Militarisierung
taten und vorpreschen. Laßt uns einen Vorschlag auf der Basis
entwerfen, auf der wir die Kommission einladen können, "einen
angemessenen Vorschlag zu unterbreiten".
Alles, was wir dann zu tun haben, ist, eine Million
Unterschriften zu sammeln. Sicherlich ist das kein Problem für
die europäische Friedensbewegung? Und lasst uns sicherstellen,
dass wir Unterschriften aus so vielen Ländern wie möglich
haben, mindestens jedoch aus 75% der Mitgliedsstaaten.
Der
erste Schritt besteht darin, einen Vorschlag zu entwerfen. Wir werden
unseren Vorschlag in der nächsten Ausgabe von Around Europe
veröffentlichen sowie auf unseren Internet-Seiten platzieren.
Wenn Ihr Euch inhaltlich an diesem Vorschlag beteiligen wollt, nehmt
Kontakt mit Martina Weitsch auf unter mweitsch@qcea.org
- wir werden sicherstellen, dass Ihr Einblick in den Entwurf erhaltet.
Wir würden auch gerne hören, ob Ihr oder Organisationen,
an denen Ihr beteiligt seid, beim Sammeln von Unterschriften helfen
könntet, nachdem der Vorschlag feststeht.
Martina
Weitsch
Übersetzung: Helge Moog
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Die
EU bei der UNO
Jetzt,
da Kofi Annan seinen Bericht zur UNO-Reform vorgestellt hat, ist es
sinnvoll, sich die Interaktion und Einflussnahme der EU und ihrer
Mitgliederstaaten auf die UNO und ihre Arbeit anzusehen. Alle
EU Mitgliederstaaten sind gleichzeitig Mitglieder der UNO, und seit
1974 hat die Europäische Gemeinschaft Beobachterstatus bei
der UNO. Seit Einführung der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik
1992, hat die Kooperation und Koordination zwischen EU Mitgliederstaaten
bei der UNO und anderen internationalen Organisationen zugenommen.
Der Europäischen Kommission bei der UNO zufolge, "koordinieren
die Mitgliederstaaten in Zusammenarbeit mit der Kommission jetzt
regelmäßig ihre Positionen, und die EU spricht daher
fast immer mit einer Stimme in der UNO Generalversammlung"
www.europa.eu.int/comm/external_relations/un/intro/,
abgesehen von ernsthaften Meinungsverschiedenheiten, wie im Falle
des momentanen Krieges im Irak.
Da die UNO auf vielen Gebieten tätig ist,
die für die EU von Bedeutung sind, hat es Bestrebungen zur
Zusammenarbeit und Kooperation gegeben. Die Europäische Kommission
hat bekanntgegeben, dass sie sich verpflichtet sieht, mit der UNO
auf politischen Gebieten, wie Konfliktprävention, Menschenrechten,
Terrorismusbekämpfung und Entwicklungskooperation zusammenzuarbeiten.
Weitere Details hierzu unter
www.europa.eu.int/comm/external_relations/un/.
Ausserdem leisten die EU Mitgliedsstaaten einen
wichtiger finanziellen Beitrag zur UNO. Dem Artikel 'The EU and
the UN: Strengthening Global Security' (in 'Effective Multilateralism:
Europe, Regional Security, and a Revitalised UN') von Martin Ortega
zufolge, bestreiten sie circa 38% des UNO Budgets. Die USA und Japan
leisten im Vergleich hierzu 22% respektive 19%.
UNO-Reform
Wie im EUobserver.com (www.euobserver.com)
berichtet, haben die EU Staatsoberhäupter sich im März
auf eine gemeinsame Position geeinigt, was die Vorschläge Kofi
Annans in seinem Bericht 'In larger freedom: towards development,
security and human rights for all' betrifft. Diese Vorschläge
werden von den Staats- und Regierungschefs aller Länder im
September 2005 diskutiert werden, wenn diese in New York zum Millenium+5-Gipfel
zusammentreffen. Es bleibt abzuwarten, ob die Staatsoberhäupter
in der Lage sein werden, eine Einigung zu erzielen, was die Vorschläge,
die die Erhöhung der ständigen Sitze im Sicherheitsrat
beinhalten, betrifft.
Robin
Bloomfield
Übersetzung: Anja Krebber
Weitere Informationen, die EU/UNO-Relationen und
die UNO-Reform betreffend:
The official EU@UN Website: www.europa-eu-un.org
Kofi
Annans Bericht zur UNO-Reform, 'In larger freedom: towards development,
security and human rights for all', steht online zur Verfuegung
unter: www.un.org/largerfreedom
'Effective Multilateralism: Europe, Regional Security,
and a Revitalised UN', Hrsg.
Espen Barth Eide kann hier heruntergeladen werden:
www.fpc.org.uk/publications/139
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Nachrichten
in Kürze
Instruktionspapiere
zur Friedenssteuer
Diese Reihe von Instruktionspapieren bezieht sich auf die QCEA-Vorschläge
zur Friedenssteuer, die wir im Europa-Rat gemacht haben.
Diese Papiere sind zu beziehen unter: www.quaker.org/qcea/peacetax
Die
Web-Site - Abteilung der Intergroup* zu Friedensinitiativen
QCEA dient als Sekretariat für die Mitglieder der Intergroup*
zu Friedensinitiativen des Europa-Parlaments und hat eine Reihe
von Webseiten vorbereitet zur Information über die Arbeit der
Intergroup*.
Weitere Informationen unter: www.quaker.org/qcea/intergroup
*Intergroup" ist eine überparteiliche
Interessengruppe im Europa-Parlament, die aber erst dann registriert
werden kann, wenn ihre Mitglieder mindestens drei Parteien angehören.
Europäisches
Friedenshandbuch
QCEA ist dabei, ein online-Adressbuch der Organisationen und Gruppen
zusammenzustellen, die für den Frieden in Europa arbeiten.
Dieses europäische Friedenshandbuch wird erarbeitet in Verbindung
mit Mouvement Chrétien Pour la Paix (Christliche Bewegung
für den Frieden).
Weitere Informationen darüber, wie Organisationen und Gruppen
sich eintragen lassen können, werden in der nächsten Ausgabe
von Around Europe veröffentlicht und sind auch erhältlich
unter: www.quaker.org/qcea/peacedirectory
Werde
aktiv für den NPT Non-Proliferation Treaty (Vertrag zur Nichtverbreitung
von Kernwaffen)
Es ist noch Zeit in Bezug auf den NPT aktiv zu werden und sich vor
der Nachfolgekonferenz im Mai 2005 bei der Kampagne für eine
kernwaffenfreie Welt einzusetzen.
Weitere Informationen über den NPT und was man tun kann unter:
www.quaker.org/qcea/npt.htm
Mach
mit bei QCEA
Zur Zeit gibt es zwei Möglichkeiten, an unserer Arbeit teilzunehmen:
Studientour 2005 (2.-10.Juli 2005)
Die Studientour bietet die beste Gelegenheit, zu lernen, zu diskutieren
und darüber nachzudenken, was Europa für dich bedeutet.
Die Anmeldefrist endet am 2.Mai 2005.
Anmeldeformulare unter: www.quaker.org/qcea/studytours.htm
Stellenausschreibung: Programm-Assistent 2005 -
2006
QCEA sucht einen jungen Menschen (Alter 21 - 30) für die Arbeit
als Programm-Assistent ab September 2005.
Bewerbungen bis zum 29.April 2005.
Bewerbungsformulare gibt es unter: www.quaker.org/qcea/pa.htm
Übersetzung:
Christel Wieding
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