Entwicklung,
Sicherheit und Gerechtigkeit
Vom
5. bis 7 November 2004 fand, in Verbindung mit QPSW, die Mitgliederkonferenz
des QCEA statt, die sich mit Fragen der Wirtschaftsgerechtigkeit befaßt
hat. Dieser Artikel ist kein Bericht der Konferenz als solcher, sondern
eher ein Nachsinnen über die Abhängigkeiten zwischen Entwicklung,
Sicherheit und (der ökonomischen) Gerechtigkeit, ausgelöst
durch die Rede einer der Hauptrednerinnen, Professor Frances Stewart
vom Forschungszentrum für Ungleichheit, menschliche Sicherheit
und Ethnizität (CRISE) in Oxford. Es
ist immens wichtig, diese Abhängigkeiten zu betrachten, nicht
nur weil sie real sind, sondern vor allem, weil sie häufig
übersehen werden. Und indem sie sie übersieht, verpaßt
die internationale Gemeinschaft die Gelegenheit, sich mit den grundlegenden
Ursachen gewalttätiger Konflikte auseinanderzusetzen.
Wir
hören viel vom ‚Krieg gegen Terrorismus' oder ‚Krieg
dem Terror', und häufig werden solche Diskussionen mit Konzepten
wie der 'Kollision von Zivilisationen' verbunden. Oft ist dies ein
dünn verschleierter Verweis auf einen Zusammenprall der drei
monotheistischen Religionen, Judentum, Islam und Christentum, und
wo gewaltsame Konflikte ausbrechen, hören wir in vielen Fällen
von ihnen als Konflikte zwischen unterschiedlichen ethnischen Gruppen,
die ein Teil dieser drei Religionsgruppen sind.
Dieser
Ansatz soll uns glauben machen, daß es in einer oder sogar
all diesen Religionen etwas Grundsätzliches gibt, das sie in
gewaltsame Auseinandersetzungen gegeneinander führt; es wird
als unvermeidlich gesehen und als Ergebnis eines extremen Fanatismus
in Glaubensfragen.
In
der Regel basieren heftige Konflikte dieser Art jedoch auf politischer
Gewalt, d.h.. Gewalt mit einem politischen Ziel. Das kann ein Staatsstreich
sein, das Anstreben von (mehr) Macht, die Anerkennung der Rechte
einer bestimmten Gruppe, ein Wunsch nach Autonomie oder Trennung
von einem größeren Staat/einer größeren politischen
Einheit, oder die Unterdrückung der Opposition. Keines dieser
Ziele ist inhärent religiös.
In
vielen der gewaltsamen Auseinandersetzungen auf der ganzen Erde
sind ernste und deutlich sichtbare ökonomische und politische
Faktoren im Spiel: politische, ökonomische und soziale Unterschiede
zwischen verschiedenen Gruppen und verschiedenen Ländern, Unterschiede
bezüglich des Zugangs zu Produktionsmitteln - sowohl zum Überleben
als auch zur ökonomischen Wertsteigerung, und ungleiche Zugangsmöglichkeiten
zu Jobs und Einkommen.
Gewalttätige
Auseinandersetzungen haben auch eine eigene ökonomische Dimension
- man kann gut damit verdienen. Waffenhandel, Korruption, die Unterbringung
und Verprovisionierung von Soldaten, und Menschenhandel sind Möglichkeiten
mit Krieg Geld zu verdienen. Andererseits wirkt sich Krieg negativ
auf das Wirtschaftswachstum aus und führt zur Zerstörung
der Infrastruktur und erhöhten militärischen Ausgaben,
was zusammenfällt mit Steuererhöhungen und der Verringerung
der Staatsausgaben für Gesundheit, Ausbildung und andere Sozialleistungen.
Außerdem wirkt sich Krieg häufig negativ auf den Export
aus.
Der
Mißbrauch von Identität, sei es durch Religion, Kultur,
Sprache oder Ethnizität, ist, in Situationen, in denen es einen
ökonomischen oder politischen Nährboden für Konflikt
gibt, ein leistungsfähiges Mittel zur Mobilisierung der Menschen.
Und wenn man den Geist der Identität einmal aus der Flasche
in den Konflikt gelassen hat, ist er nur sehr schwer wieder zurückzuzwingen.
Was
bedeutet das für die internationale Gemeinschaft? Es bedeutet,
daß es wichtiger als je ist, die ökonomischen, sozialen
und politischen Grundursachen von Konflikten anzugehen, damit Menschen
nicht gezwungen werden, sich an ihre Identität zu klammern,
nur um überhaupt etwas zum Festhalten zu haben.
Es
bedeutet, das wirtschaftliche Gleichgewicht wiederherzustellen;
es bedeutet für die reichen Länder, nicht nur an der Entwicklung
herumzubasteln, sondern in konfliktgefährdeten Ländern
intensiv in Wege zu investieren, die konfliktsensibel sind, die
nicht eine Gruppe über andere stellen, und in Methoden, die
Menschen erlauben, ihre Wirtschaftssysteme und ihre Gesellschaften
so zu entwickeln, wie sie ihrer kulturellen, religiösen und
ethnischen Zusammensetzung entsprechen. Es bedeutet nicht die Umleitung
der ohnehin knappen Entwicklungsmittel in militärische Sicherheit
(oder sogenannte ‚Friedensoperationen'). Es bedeutet, daß
kurzfristig in Krisenmanagement und langfristig, neben der Entwicklung,
in Konfliktverhinderung und Friedensbildung investiert werden muß,
und zwar ausreichend finanziert. Es bedeutet, daß die internationale
Gemeinschaft die richtigen Werkzeuge entwickeln muß, um diese
Arbeit leisten zu können und um die Bevölkerung (und zwar
Frauen, Männer und Kinder an der Basis, nicht nur Politiker)
in Konfliktgebieten in den Prozeß zu integrieren, Eigentum
vor Ort zu schaffen. Nichts weniger wird auf Dauer für Lösungen
sorgen.
Martina
Weitsch
Übersetzung
Anja Krebber
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Fremde
in einem fremden Land
Im Oktober
2000 sprach die QCEA-Mitgliederversamlung in Löwen (Belgien)
eine Reihe von Problemen bezüglich Asyl und Migration an. Sie
ging zu Ende mit einer Erklärung, die noch heute relevant und
auf unserer Website verfügbar ist unter
http://www.quaker.org/qcea/strangers/statement2000.htm.
Dieselbe
Mitgliederversammlung beschloss "Ideen zu Information, Überlegung
und Handeln von Einzelnen und Quäkergruppen (Meetings)",
und es könnte jetzt an der Zeit sein zu überlegen, was
als Reaktion auf diese Ideen getan wurde.
Das
Ratsmitglied Dieter Hartwich von der Belgien-und-Luxemburg Monats-
versammlung hat sich bereit erklärt, alle Reaktionen auf diesen
Aufruf, die QCEA erreichen, zusammenzutragen.
Berichte,
was du und/oder deine Quäkergruppe /Bezirksversammlung /Jahresversammlung
(Meeting, Monthly Meeting, General Meeting, Quarterly Meeting, Yearly
Meeting) im Hinblick auf folgende Überlegungen getan hat:
- Vortragende
in die Quäkergruppe einladen zur fortlaufenden gedanklichen
Klärung
- Ausgleich von ablehnenden Gefühlen gegen Flüchtlinge
(in der Presse und anderswo) durch begründete Aussagen einschließlich
statistischen Materials und - falls angemessen - persönlicher
Geschichten
- In Frage stellen von "Märchen" und Klischeevorstellungen
im Zusammenhang mit Migranten, wo immer sie in Erscheinung treten
- Unterstützung positiver Berichterstattung in den Medien
- Lobby-Arbeit mit Politikern auf lokaler, nationaler und europäischer
Ebene
- Verständnis für die tieferen Gründe der Migration
- Verstehen der Ursachen für das Gefühl von Ablehnung
am Ort
- (Re)aktivieren von Gruppen für soziales Handeln innerhalb
der Quäkergruppe
- Organisation von gemeinsamen Veranstaltungen für/mit Flüchtlinge/n
- Bereitstellen von Räumen in Meeting-Häusern für
Flüchtlingsgruppen
- Sich einzelner Flüchtlinge annehmen
- Informationen über die Ankunft neuer Asylsuchender einholen
- Flüchtlinge begleiten bei ihren Kontakten mit den örtlichen
Behörden
- Unterstützung örtlicher Dienstleistungsinitiativen für
Flüchtlinge durch Fürsprache, Schreib-und-Leseunterrricht,
Sprachunterricht, Allgemeine Orientierung (advocacy, literacy, language,
orientation)
- Organisieren von Sammlungen von Möbeln, Kleidung, Wörterbüchern,
Spielzeug und Geld.
Bitte
schickt eure Antworten auf diesen Aufruf zur Rückmeldung bis
zum 31.Januar 2005 an Liz Scurfield at lscurfield@qcea.org
(wenn nötig, könnt ihr sie auch faxen oder per Post schicken).
Wir werden die Ergebnisse dann in unserer Märzausgabe von Around
Europe veröffentlichen.
Übersetzung:
Christel Wieding
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QCEA
Briefings - nicht nur online
Ständige
LeserInnen von Around Europe wissen sicherlich, dass QCEA jetzt eine
ganze Reihe von Briefing-Texten zu vielen Themen auf seiner Website
anbietet. Die aktuellste Reihe bezieht sich auf den Verfassungsvertrag,
aber demnächst werden auch einige über Handel, über
die Militarisierung der EU etc. erscheinen. Viele
von Ihnen sind ganz zufrieden damit, über das Internet Zugang
zu diesen Informationen zu bekommen und sie dort zu lesen oder herunterzuladen.
Aber uns ist bewusst, dass einige LeserInnen solche Dokumente lieber
in Papierform erhalten würden oder keinen Internetzugang haben.
Wenn
Sie eine bestimmte Briefing-Reihe in Papierform möchten, bitte
schreiben Sie an den QCEA, und nennen Sie Ihren Namen, die Adresse
und die Angabe, welche Briefing-Reihe Sie gerne zugeschickt bekommen
möchten. Wir werden sie dann ausdrucken und auf dem Postwege
zu Ihnen senden.
Wir
werden das nicht in Rechnung stellen, freuen uns aber immer über
Spenden für die Deckung der Unkosten.
Übersetzung:
Christa Dommel
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Around
Europe auf Deutsch |