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Nr 267 November 2004
 
Inhaltsverzeichnis
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Entwicklung, Sicherheit und Gerechtigkeit

Fremde in einem fremden Land

QCEA Briefings - nicht nur online
 

Entwicklung, Sicherheit und Gerechtigkeit 
Vom 5. bis 7 November 2004 fand, in Verbindung mit QPSW, die Mitgliederkonferenz des QCEA statt, die sich mit Fragen der Wirtschaftsgerechtigkeit befaßt hat. Dieser Artikel ist kein Bericht der Konferenz als solcher, sondern eher ein Nachsinnen über die Abhängigkeiten zwischen Entwicklung, Sicherheit und (der ökonomischen) Gerechtigkeit, ausgelöst durch die Rede einer der Hauptrednerinnen, Professor Frances Stewart vom Forschungszentrum für Ungleichheit, menschliche Sicherheit und Ethnizität (CRISE) in Oxford.

Es ist immens wichtig, diese Abhängigkeiten zu betrachten, nicht nur weil sie real sind, sondern vor allem, weil sie häufig übersehen werden. Und indem sie sie übersieht, verpaßt die internationale Gemeinschaft die Gelegenheit, sich mit den grundlegenden Ursachen gewalttätiger Konflikte auseinanderzusetzen.

Wir hören viel vom ‚Krieg gegen Terrorismus' oder ‚Krieg dem Terror', und häufig werden solche Diskussionen mit Konzepten wie der 'Kollision von Zivilisationen' verbunden. Oft ist dies ein dünn verschleierter Verweis auf einen Zusammenprall der drei monotheistischen Religionen, Judentum, Islam und Christentum, und wo gewaltsame Konflikte ausbrechen, hören wir in vielen Fällen von ihnen als Konflikte zwischen unterschiedlichen ethnischen Gruppen, die ein Teil dieser drei Religionsgruppen sind.

Dieser Ansatz soll uns glauben machen, daß es in einer oder sogar all diesen Religionen etwas Grundsätzliches gibt, das sie in gewaltsame Auseinandersetzungen gegeneinander führt; es wird als unvermeidlich gesehen und als Ergebnis eines extremen Fanatismus in Glaubensfragen.

In der Regel basieren heftige Konflikte dieser Art jedoch auf politischer Gewalt, d.h.. Gewalt mit einem politischen Ziel. Das kann ein Staatsstreich sein, das Anstreben von (mehr) Macht, die Anerkennung der Rechte einer bestimmten Gruppe, ein Wunsch nach Autonomie oder Trennung von einem größeren Staat/einer größeren politischen Einheit, oder die Unterdrückung der Opposition. Keines dieser Ziele ist inhärent religiös.

In vielen der gewaltsamen Auseinandersetzungen auf der ganzen Erde sind ernste und deutlich sichtbare ökonomische und politische Faktoren im Spiel: politische, ökonomische und soziale Unterschiede zwischen verschiedenen Gruppen und verschiedenen Ländern, Unterschiede bezüglich des Zugangs zu Produktionsmitteln - sowohl zum Überleben als auch zur ökonomischen Wertsteigerung, und ungleiche Zugangsmöglichkeiten zu Jobs und Einkommen.

Gewalttätige Auseinandersetzungen haben auch eine eigene ökonomische Dimension - man kann gut damit verdienen. Waffenhandel, Korruption, die Unterbringung und Verprovisionierung von Soldaten, und Menschenhandel sind Möglichkeiten mit Krieg Geld zu verdienen. Andererseits wirkt sich Krieg negativ auf das Wirtschaftswachstum aus und führt zur Zerstörung der Infrastruktur und erhöhten militärischen Ausgaben, was zusammenfällt mit Steuererhöhungen und der Verringerung der Staatsausgaben für Gesundheit, Ausbildung und andere Sozialleistungen. Außerdem wirkt sich Krieg häufig negativ auf den Export aus.

Der Mißbrauch von Identität, sei es durch Religion, Kultur, Sprache oder Ethnizität, ist, in Situationen, in denen es einen ökonomischen oder politischen Nährboden für Konflikt gibt, ein leistungsfähiges Mittel zur Mobilisierung der Menschen. Und wenn man den Geist der Identität einmal aus der Flasche in den Konflikt gelassen hat, ist er nur sehr schwer wieder zurückzuzwingen.

Was bedeutet das für die internationale Gemeinschaft? Es bedeutet, daß es wichtiger als je ist, die ökonomischen, sozialen und politischen Grundursachen von Konflikten anzugehen, damit Menschen nicht gezwungen werden, sich an ihre Identität zu klammern, nur um überhaupt etwas zum Festhalten zu haben.

Es bedeutet, das wirtschaftliche Gleichgewicht wiederherzustellen; es bedeutet für die reichen Länder, nicht nur an der Entwicklung herumzubasteln, sondern in konfliktgefährdeten Ländern intensiv in Wege zu investieren, die konfliktsensibel sind, die nicht eine Gruppe über andere stellen, und in Methoden, die Menschen erlauben, ihre Wirtschaftssysteme und ihre Gesellschaften so zu entwickeln, wie sie ihrer kulturellen, religiösen und ethnischen Zusammensetzung entsprechen. Es bedeutet nicht die Umleitung der ohnehin knappen Entwicklungsmittel in militärische Sicherheit (oder sogenannte ‚Friedensoperationen'). Es bedeutet, daß kurzfristig in Krisenmanagement und langfristig, neben der Entwicklung, in Konfliktverhinderung und Friedensbildung investiert werden muß, und zwar ausreichend finanziert. Es bedeutet, daß die internationale Gemeinschaft die richtigen Werkzeuge entwickeln muß, um diese Arbeit leisten zu können und um die Bevölkerung (und zwar Frauen, Männer und Kinder an der Basis, nicht nur Politiker) in Konfliktgebieten in den Prozeß zu integrieren, Eigentum vor Ort zu schaffen. Nichts weniger wird auf Dauer für Lösungen sorgen.

Martina Weitsch

Übersetzung Anja Krebber

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Fremde in einem fremden Land
Im Oktober 2000 sprach die QCEA-Mitgliederversamlung in Löwen (Belgien) eine Reihe von Problemen bezüglich Asyl und Migration an. Sie ging zu Ende mit einer Erklärung, die noch heute relevant und auf unserer Website verfügbar ist unter
http://www.quaker.org/qcea/strangers/statement2000.htm.

Dieselbe Mitgliederversammlung beschloss "Ideen zu Information, Überlegung und Handeln von Einzelnen und Quäkergruppen (Meetings)", und es könnte jetzt an der Zeit sein zu überlegen, was als Reaktion auf diese Ideen getan wurde.

Das Ratsmitglied Dieter Hartwich von der Belgien-und-Luxemburg Monats- versammlung hat sich bereit erklärt, alle Reaktionen auf diesen Aufruf, die QCEA erreichen, zusammenzutragen.

Berichte, was du und/oder deine Quäkergruppe /Bezirksversammlung /Jahresversammlung (Meeting, Monthly Meeting, General Meeting, Quarterly Meeting, Yearly Meeting) im Hinblick auf folgende Überlegungen getan hat:

- Vortragende in die Quäkergruppe einladen zur fortlaufenden gedanklichen Klärung
- Ausgleich von ablehnenden Gefühlen gegen Flüchtlinge (in der Presse und anderswo) durch begründete Aussagen einschließlich statistischen Materials und - falls angemessen - persönlicher Geschichten
- In Frage stellen von "Märchen" und Klischeevorstellungen im Zusammenhang mit Migranten, wo immer sie in Erscheinung treten
- Unterstützung positiver Berichterstattung in den Medien
- Lobby-Arbeit mit Politikern auf lokaler, nationaler und europäischer Ebene
- Verständnis für die tieferen Gründe der Migration
- Verstehen der Ursachen für das Gefühl von Ablehnung am Ort
- (Re)aktivieren von Gruppen für soziales Handeln innerhalb der Quäkergruppe
- Organisation von gemeinsamen Veranstaltungen für/mit Flüchtlinge/n
- Bereitstellen von Räumen in Meeting-Häusern für Flüchtlingsgruppen
- Sich einzelner Flüchtlinge annehmen
- Informationen über die Ankunft neuer Asylsuchender einholen
- Flüchtlinge begleiten bei ihren Kontakten mit den örtlichen Behörden
- Unterstützung örtlicher Dienstleistungsinitiativen für Flüchtlinge durch Fürsprache, Schreib-und-Leseunterrricht, Sprachunterricht, Allgemeine Orientierung (advocacy, literacy, language, orientation)
- Organisieren von Sammlungen von Möbeln, Kleidung, Wörterbüchern, Spielzeug und Geld.

Bitte schickt eure Antworten auf diesen Aufruf zur Rückmeldung bis zum 31.Januar 2005 an Liz Scurfield at lscurfield@qcea.org (wenn nötig, könnt ihr sie auch faxen oder per Post schicken). Wir werden die Ergebnisse dann in unserer Märzausgabe von Around Europe veröffentlichen.

Übersetzung: Christel Wieding

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QCEA Briefings - nicht nur online
Ständige LeserInnen von Around Europe wissen sicherlich, dass QCEA jetzt eine ganze Reihe von Briefing-Texten zu vielen Themen auf seiner Website anbietet. Die aktuellste Reihe bezieht sich auf den Verfassungsvertrag, aber demnächst werden auch einige über Handel, über die Militarisierung der EU etc. erscheinen.

Viele von Ihnen sind ganz zufrieden damit, über das Internet Zugang zu diesen Informationen zu bekommen und sie dort zu lesen oder herunterzuladen. Aber uns ist bewusst, dass einige LeserInnen solche Dokumente lieber in Papierform erhalten würden oder keinen Internetzugang haben.

Wenn Sie eine bestimmte Briefing-Reihe in Papierform möchten, bitte schreiben Sie an den QCEA, und nennen Sie Ihren Namen, die Adresse und die Angabe, welche Briefing-Reihe Sie gerne zugeschickt bekommen möchten. Wir werden sie dann ausdrucken und auf dem Postwege zu Ihnen senden.

Wir werden das nicht in Rechnung stellen, freuen uns aber immer über Spenden für die Deckung der Unkosten.

Übersetzung: Christa Dommel

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